Mühlenmahlzeit

Presse

Alte Mühle zwischen Vision und Neubeginn

Uckermark Kurier, 6. Januar 2016

Lychen (Birgit Bruck). Als sich 2011 einige Lychener in einer kleinen Runde trafen, um die Rettung eines der größten Gebäude der Flößerstadt in Angriff zu nehmen, erschienen viele der damals geäußerten Ideen als zwar reizvolle, aber ferne Visionen. Zu einem touristischen Anlaufpunkt wollte man die im Besitz der Stadt befindliche ehemalige Getreidemühle machen, als Schwerpunkte wurden die Themen Holz und Wasser und deren Nutzung benannt. Ausstellungen und Räume für die Touristinformation, ein Café und Möglichkeiten für Indooraktivitäten und – als besonderes Highlight – die Passierbarkeit der Mühle mit dem Kanu wurden bei der Gründung des Vereins mit dem programmatischen Namen „Wasser auf die Mühle“ ins anspruchsvolle Konzept geschrieben. Dessen Umsetzung 2013 konkret wurde, als der Verein die Unterschrift unter einen Pachtvertrag setzen konnte.

Nicht ohne gemischte Gefühle. „Wir sind sehr froh, dass wir jetzt richtig loslegen können“, sagte Vereinsvorsitzende Carla Kniestedt damals – nicht ohne „ein bisschen Angst vor der eigenen Courage angesichts dieses Riesendings zu leugnen.“ Das „Riesending“ hat in seinem Inneren auf drei Stockwerken nicht weniger als 6000 Quadratmeter Fläche. Und fließendes Wasser im wahrsten Sinne des Wortes: Das Mühlenfließ durchquert das Kellergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes.

Gut vier Jahre nach dem Start zogen die Akteure jetzt eine überaus positive Bilanz. Im vergangenen Jahr wurde das Dach mit Geld vom Bund, vom Land und einem Eigenanteil der Stadt aus dem sogenannten Nothilfetopf erneuert. Das machte das denkmalgeschützte Gebäude mit seinen vielen Holzkonstruktionen im Inneren nicht nur dauerhaft wetterfest, sondern erspart der Stadt auch die wiederkehrenden kostenaufwendigen Notreparaturen, die bis dahin ständig fällig wurden. In diesem Jahr die nächste „Großbaustelle“: seit dem Sommer erneuert das Landesumweltamt das Wehr und arbeitet am und im Mühlgraben. Damit rückt auch die Vision von der Bootspassage zwischen Ober- und Nesselpfuhl, die quer durch die Mühle führt, in greifbare Nähe. Derzeit werden die Pfeiler für die anzuhebende Fußgängerbrücke im Malerwinkel gegossen, der Uckermark Kurier berichtete.

Carla Kniestedt ist übrigens selbst Mieterin beim Verein. Sie wagte in der Mühle – unterstützt von EU-Fördergeldern – eine private Investition, indem sie im Seitenflügel die „Mühlenwirtschaft“ und die „Kaffeemühle“ entstehen ließ. Mit viel Liebe zu Details der geschichts- und geschichtenträchtigen Mühle hat sie dort einen Anlaufpunkt geschaffen, der seit August immer mehr begeisterte Besucher findet. Die dort „ganz nebenbei“ auch erleben, was mit der Verwirklichung der Pläne des Vereins in der Mühle möglich sein wird. Vor der „Kaffeemühle“ können Gäste an einem detailreichen Modell einen Blick in die Zukunft wagen – und wenn sie wollen, ein paar Münzen oder Scheine ins „Spendenboot“ werfen. Diese Spenden übrigens – darauf verweisen die Akteure ausdrücklich – werden ausschließlich für Projekte des Vereins verwendet und fließen nicht etwa in die privatwirtschaftlich betriebene Gastronomie.

Allein 2015 konnten auf verschiedenen Wegen 5579  Euro Spenden eingeworben werden, rechnet Schatzmeisterin Gerda Karger vor und dankt allen Unterstützern. Die es auch bei den zahlreichen Arbeitseinsätzen des Vereins gab, bei denen die Mühle von Müll und Schrott befreit wurde, defekte Fenster abgedichtet, Mauerritzen geschlossen und Nistkästen für Mauersegler angebracht wurden. Nicht nur Mitglieder, sondern auch Helfer aus der Nachbarschaft und andere Interessierte griffen zu Schaufel, Karre und Handwerkszeug.

In diesem Jahr soll der Plan des Neu-Lycheners Henning Letmade, im Inneren einen Kletterparcours einzurichten, konkreter werden. Auch die Bootspassage und „Müllers Badehäuschen“ mit Toiletten und Duschen für Wassersportler stehen auf dem Plan für 2016. Es ist eine ganze Menge Wasser, die der Verein mit Hilfe vieler Unterstützer schon wieder auf die Mühle gebracht hat.

Großes Theater vom Toilettenverstopfer

Uckermark Kurier, 23. November 2015

Lychen (Birgit Bruck). „Ich war’s. Ich habe die Mauer umgeschmissen.“ Sagt Klaus. Klaus Uhltzscht. Uhltzscht wie: Ulbricht – Honecker – Liebesperlen – Tele-Lotto – Zentralkomitee – Sandmännchen – Centrumwarenhaus – Honecker – Tele-Lotto. Uhltzscht, der Flachschwimmer und Sachenverlierer aus dem Osten Berlins, Meister von morgen auf der Titelseite der NBI. Derjenige, der also die Mauer öffnete. Indem er am 9. November am Grenzübergang Bornholmer Straße die Hosen runterließ. Und jetzt hat er auch eine Bühne eingeweiht. Eine zwar kleine, aber, wie es das erfolgreiche Gastspiel der Uckermärkischen Bühnen Schwedt am Sonnabendabend in der Lychener „Mühlenwirtschaft“ bewies, eine sehr feine.

Vor knapp 60 Zuschauern im bis auf den letzten Platz besetzten Raum verkörperte Daniel Heinz den peinlich-komischen Helden und legte einen gefeierten knapp zweistündigen Theatermarathon hin. Mit Witz und Spielfreude konfrontierte er das Publikum mit den Absurditäten seiner Weltsicht, die er im Wesentlichen mit seinem sehr speziellen „Zentralorgan“ begründet, dem zwischen seinen Beinen nämlich. Was bei manch einem im Publikum, für das es zum großen Teil offensichtlich die erste Begegnung mit dem Toilettenverstopfer aus dem vor 20 Jahren erschienenen Roman von Thomas Brussig war, zunächst zu erstauntem Atemanhalten, später zum Schmunzeln und schließlich zu befreiendem Gelächter führte. Das Stück, das sich im Jahr 25 nach der Wiedervereinigung wie die „Sonnenallee“ derzeit im Spielplan mehrerer deutscher Theater befindet, trifft offensichtlich mit seiner unverkrampft-komischen Sicht abseits von (N)Ostalgie den Nerv der Zuschauer.

Es gab viel Applaus des sehr gemischten Publikums für einen großartig agierenden Daniel Heinz, der für diese Rolle in Schwedt in diesem Sommer als „Schauspieler des Jahres“ ausgezeichnet worden war.

Die Besucher und auch der Darsteller zeigten sich auch von der Atmosphäre und der Akustik des Raumes begeistert und nicht zuletzt von der Unmittelbarkeit durch die große Nähe von Akteuren und Zuschauern. „Es ist schon etwas Besonderes und wäre schön, wenn sich hier solche Angebote etablieren“, sagte Helga Meier aus Lychen, die an frühere gemeinsame Theaterbesuche in Neustrelitz erinnerte. Das Theater in Schwedt sei zu weit entfernt, solche Gastspiele seien deshalb eine große Bereicherung. Auch Ilse Waltrich war begeistert vom Theaterabend: „Ich habe schon lange so eine Vision für dieses große Mühlengebäude. Etwas ganz Verrücktes ­­– in der oberen Etage unter einer durchsichtigen Kuppel ein Café, mit Blick rundherum auf alle Seen… Lange stand dieses Haus ja leer und verfiel, aber jetzt gibt es diese schönen Räume und es wird sogar Theater gespielt. Das ist toll.“ Auch Schauspieler Daniel Heinz möchte unbedingt noch einmal wiederkommen in die Flößerstadt, auch ganz privat, ließ er wissen.

Das Theatergastspiel erwies sich als überaus gelungener Start für eine Reihe, die sich unter dem Titel „Kultur im Keller“ künftig in der „Mühlenwirtschaft“ etablieren soll. „Es war der Anfang, ein Versuch, ein Angebot, hier in Lychen etwas gemeinsam auf einer Bühne erleben zu können. Und es hat fantastisch funktioniert“, resümierte eine erleichterte „Mühlenwirtin“ Carla Kniestedt nach dem Schlussapplaus.

In Lychen ist die Kultur ab sofort im Keller

Uckermark Kurier, 11. November 2015

Lychen (Birgit Bruck). Schon als Mühlenwirtin Carla Kniestedt in einem Seitentrakt der ehemaligen Getreidemühle der Flößerstadt mit der „Kaffeemühle“ ein Café und die „Mühlenwirtschaft“ errichtete, stand für sie fest, dass es dort mehr geben wird als Cappuccino, Eintopf und Wein. Obwohl, das sei eingeschoben, die ausnahmslos handgemachten Leckereien, die die rbb-Moderatorin und ihr engagiertes Team in den liebevoll sanierten Räumen seit der Eröffnung im August anbieten, bereits viele Fans gefunden haben.

„Kultur ist auch ein Lebensmittel“, sagt Carla Kniestedt, die sich jetzt auf eine besondere Premiere in den geschichtsträchtigen Mauern am Mühlenbach freut, eine Veranstaltungsreihe mit dem wunderbar doppeldeutigen Titel „Kultur im Keller“. Ist sie im Keller? Ist sie es nicht? „Das darf jeder für sich beantworten. Und wenn er ein bisschen Hilfe bei der Entscheidung braucht, kann er gern kommen in unseren Keller und gucken, wo sie ist, die Kultur“, lacht die gelernte Journalistin, während sie die letzten „handgeschnitzten“, wie sie sagt, Kroketten aufs Blech sortiert. Gemeinsam etwas erleben, miteinander reden, das sei es doch schließlich, was das Miteinander von Menschen ausmache. Und die „Mühlenwirtschaft“ ist so ein Ort dafür. Der mit seinem Kulturangebot den Gästen im wahrsten Sinne des Wortes entgegenkommen möchte. Weil es für die Lychener, ihre Nachbarn und Gäste kein weiter Weg mehr ist bis zur Kultur.

Zum Auftakt sind am 21. November die Uckermärkischen Bühnen Schwedt mit „Helden wie wir“ zu Gast. Das ist alles andere als ein Zufall, auch wenn es wie ein kulturpolitischer Glücksfall anmutet. Ein sehr gewollter.

„Wir freuen uns auf diese neue Spielstätte in Lychen. Ist sie doch eine Möglichkeit, im westlichen Teil der Uckermark präsenter zu werden. Und wir freuen uns darauf, Menschen zu erreichen und hoffentlich auch zu begeistern, die uns bisher vielleicht nur vom Namen kennen“, sagt ubb-Theaterintendant Reinhard Simon dem Uckermark Kurier.

Die Gäste des ersten Kultur-im-Keller-Abends werden Daniel Heinz in der Rolle von Klaus Uhltzscht erleben – des Mannes mit der „denkbar peinlichsten DDR-Biografie“ aus dem Kultroman von Thomas Brussig.  Und im urigen Ambiente der „Mühlenwirtschaft“ zwischen Ofen und Ziegelwänden erfahren, wie der „Sohn einer Lichtenberger Hygieneinspektorin und eines höheren Stasi-Offiziers“ die Berliner Mauer zu Fall brachte.

Am 6. Dezember werden dann Akkordeonvirtuose Tobias Morgenstern und seine Musiker heiße brasilianische Rhythmen in die winterliche Uckermark holen. In Lychen ist Morgenstern kein Unbekannter mehr, spätestens seit er auf dem sommerlichen Musikfloß den Liedermacher Hans-Eckardt Wenzel begleitete. „Wir freuen uns sehr auf unsere Besucher. Die von nebenan und auch diejenigen, für die unsere kleine Bühne der Anlass ist, für einen Tag oder ein Wochenende nach Lychen zu kommen. Was sich ja auch im Herbst und Winter lohnt“, hofft Veranstalterin Carla Kniestedt.

Selbstgemachte Nudeln auf dem Wäschetrockner

Uckermark Kurier, 14. September 2015

Lychen (Birgit Bruck). Woher kommen die nicht nur bei Kindern so geliebten Nudeln? Die Teigwaren, die Pasta? Historiker  diskutieren noch darüber, ob in den irgendwann einmal in einem chinesischen Dorf ausgegrabenen Essensresten oder in den zur Nudelherstellung geeigneten Geräten der Etrusker im Pasta-Land Italien der Ursprung der heutigen Nudel-Partys liegt. Fakt ist jedenfalls, dass die „Nudlregion“ Uckermark nichts damit zu tun hat, denn bekanntlich kommen hierzulande in traditionellen Gerichten „Nouelles“, also Kartoffelknollen auf den Tisch, wenn von Nudeln die Rede ist. Ab sofort entspricht es aber auch der Wahrheit, dass Nudeln aus Lychen kommen. Denn die Küche der vor fünf Wochen neu eröffneten „Mühlenwirtschaft“ verwandelt sich derzeit ab und zu in eine Nudelmanufaktur.

Kerstin Michel schneidet ein handgroßes Stück Teig ab und rollt es aus, wieder und wieder, bis ein dünne Platte entstanden ist. „Aufpassen, dass sie nicht zu dünn und zu groß wird“, sagt sie noch, bevor sie den „Teiglappen“ durch ein Aufsatz der Küchenmaschine gleiten lässt. Vorsichtig fängt sie die entstehenden Streifen auf und hängt sie – auf einen Wäschetrockner. Ein durchaus praktische Alternative zu den durchaus erhältlichen speziellen „Nudeltrocknern“, die aber auch nicht anders aussehen als Handtuchtrockner etwa. „Das funktioniert ausgezeichnet mit dem Wäscheständer“, sagt die Nudelmacherin vom Dienst, während sie die teigigen Streifen vorsichtig darauf verteilt. Die getrockneten Bandnudeln mit der schönen rauen Oberfläche – die sehr gut Pesto und Soße aufnehmen – kommen in eine große Schachtel. Zwei Kilo hat Kerstin Michel bisher produziert. „Ein bisschen was muss noch dazukommen, dann stehen die hausgemachten Nudeln auf unserer Speisekarte“, verspricht sie.

Bisher war Kerstin Michel in der aus „Mühlenwirtschaft“ und „Kaffeemühle“ bestehenden neuen Lychener „Doppelgastronomie“ vor allem für Köstlichkeiten wie „Mascarponetorte“, „Stachelbeerbaiser“ oder „Lemon-Cheese-Torte“ verantwortlich. Dafür hat die gelernte Floristin nach 16 Jahren den Laden eines Templiner Blumenhauses mit den Backöfen in der Mühle getauscht. Wo sie sich und ihre vielen Rezepte, die sie unter anderem von ihrer Mutter hat, einer Konditorin, ausprobiert. Und wer mit Teig probiert, landet irgendwann auch bei Nudeln, sagt sie lachend. Drei Zutaten sind es nur, welche und in welcher Menge bleibt natürlich das Betriebsgeheimnis von Kerstin Michel und den anderen aus der „Mühlenwirtschaft“. Deren Betreiberin Carla Kniestedt bleibt immer wieder an den Tischen stehen und kommt mit ihren Gästen ins Gespräch. Eine der am meisten gestellten Fragen ist derzeit die, ob die Moderatorin denn nun endgültig das Fernsehstudio mit Backstube und Tresen getauscht habe. „Habe ich nicht“, sagt sie. Und ist in diesen Tagen unterwegs in der Nordwestuckermark, neuen Geschichten fürs „Heimatjournal“ des rbb auf der Spur.

Grenzenloser Jubel: Endlich klingelt es

Uckermark Kurier, 17. August 2015

Lychen (Birgit Bruck). Ein bisschen erinnerte es an den großen Moment, als die deutschen Fußballhelden vor einem Jahr am Zuckerhut den goldenen Pokal in die Höhe streckten. Erleichterung, Stolz, Freude. „Siiiiieeeeg“ – mit einer Geste, die durchaus an den großen Tag von Schweini, Götze & Co erinnerte, reckt Carla Kniestedt die Hand mit dem Telefon in die Höhe. Das nun nicht mehr länger eine stumme Attrappe ist. Vorbei die Zeiten, da es unter dieser Nummer keinen Anschluss gab. Und die Anfang des Monats eröffnete Gastronomie in der alten Mühle in Lychen im telefonischen Niemandsland war. Was nicht nur die Kommunikation allgemein erschwerte, Anfragen und Bestellungen potenzieller Kunden schlicht unmöglich machte, sondern auch das Funktionieren des modernen Kassensystems, für das es ebenfalls dieser Datenleitung bedarf, verhinderte. Wichtig also, so ein Telefonanschluss.

Deshalb auch hatte Mühlenwirtin Carla Kniestedt gemeinsam mit der Stadt als Eigentümerin des Gebäudes bereits im Februar einen Anschluss bei der Telekom beantragt. Dem Konzern, der in seinem Geschäftsbericht für das zweite Quartal 2015 „zweistellige Wachstumsraten“ verkündet und in magentafarbenen Lettern für „Infrastruktur in Lichtgeschwindigkeit“ wirbt. Und dessen Fangemeinde in der Uckermark vielleicht nicht ganz so groß ist, wie möglicherweise in den „Wachstumsgebieten“ (wo immer die sind). Immer wieder hatte der Uckermark Kurier von nicht funktionierenden Anschlüssen berichtet, die große Zahl der Verärgerten und Betroffenen, die sich in der Redaktion meldeten, widerlegten schnell die immer wieder gern vom Kommunikationsriesen bemühte Aussage, es handele sich um Einzelfälle.

In der Hoffnung, dass ein simpler Telefon- und Internetanschluss kein allzu großes Problem für den Marktführer darstellen sollte, erwartete Carla Kniestedt also Anfang des Jahres einen Termin. Erst hörte sie nichts. Dann die Ankündigung eines Termins im November. Der auf Dezember korrigiert wurde. Was sie veranlasste, den telekomverfassten Werbesolgan „Erleben was verbindet“ mal auszuprobieren. Und beim Kampf um die heiß ersehnte und dringend benötigte Verbindung in der Tat viel erlebte. Zum Beispiel ganz viele Kundendienstmitarbeiter zwischen Hamburg, Berlin und München. Natürlich bei jedem Anruf einen anderen, dem sie ihre Geschichte aufs Neue erzählen konnte und durfte. Und sich dabei jedes mal ausdrücklich wünschte, dass, wie es in den Endloswarteschleifen angekündigt wurde, ihr Gespräch bitte unbedingt aufgezeichnet werden solle. Was damit passiert – ob die Telekom daraus vielleicht einen Hörbuchbestseller produziert – ist bislang unbekannt. Auch, was die Kundendienstdame im fernen München meinte, als sie der ungeduldigen Geschäftskundin in der dünn besiedelten Uckermark etwas von einer „Überlastung des Netzes“ und „zu vielen Anschlüssen“ erzählte.  Unbekannt blieb auch, wo sich die Lücke für den Mühlenanschluss schließlich doch auftat. Jetzt, sechs Monate nach Antragstellung und nicht im Dezember.

Denn seit dem 13.  August klingeln die Telefone in der Mühlenwirtschaft und in der Kaffeemühle. „Ich möchte allen Verzweifelten Mut machen, allen, die noch immer auf Anschlüsse warten, die Gestrandeten in den Kundendienstschleifen, die, deren längst abgeschickte Router noch immer durchs Off irren“, ruft eine euphorische Carla Kniestedt. Und lädt heute um 19  Uhr in die Mühle ein. Betroffene, Begeisterte, Neugierige, Viel- und Wenigtelefonierer. Als Zeichen, dass auch dieser Flecken jetzt an die große, weite Welt angeschlossen ist, spielen Fanny und Tobi fröhliche „Weltmusik“. Wer will, kann gern vorher mal anrufen: 039888 524876.

Jetzt klappert es wieder an der alten Mühle

Uckermark Kurier, 4. August 2015

Lychen (Sigrid Werner). Selbst und ständig zu arbeiten, das kennt Carla Kniestedt als freischaffende Journalistin. Seit dem 1. August rennt sie sich nun ganz offiziell mit vier weiteren Frauen in einem ganz anderen Metier die Hacken ab: Nach Bauen, Putzen, Üben und Probewochenende als Gastwirte haben sie Mühlenwirtschaft und -café in der ehemaligen alten Getreidemühle nun eröffnet und beleben das alte Industriedenkmal auf ganz neue Weise.

Ungewohnt? „Pah, so haben wir doch alle einmal unser Studium finanziert“, sagt Carla Kniestedt und wuchtet die nächste Fuhre voller Gläser hinaus auf die Wiese, wo sich Gäste schon in bequemen Liegestühlen rekeln. „Es hat mir immer Spaß gemacht, Menschen glücklich zu machen“, ruft sie im Hinausgehen.

Der Start in das neue Abenteuer könnte nicht günstiger ausfallen. Die Sonne scheint, noch nicht zu heiß. Es ist Flößerfest, die Stadt voller Leute, so mancher sucht eine stille Ecke und findet sie
auf dem Mühlenhof. Viele fragen schon weit vor 14 Uhr nach Kuchen und Kaffee, wollen die Stufen hinauf und in die ganz andere Café-Atmosphäre eintauchen, in einem einmaligen Ambiente. Währenddessen suchen unten in der Mühlenwirtschaft die ersten Familien von der Flößerhitze Labsal bei Bier, Wein, ja, auch Cola, aber bio und eine, die es nicht überall gibt, und einem leichten Süppchen oder Salat.

Heiner Jensen aus Berlin ist extra mit dem Rad nach Lychen gekommen und schreibt sich sogleich ins neue Gästebuch ein. „Eine sehr schöne Innovation für Lychen“, schwärmt er von dem Inhalt in historischen Mauern. Er sei Facebook-Freund der Lychenerin Sara Cato und so auf die Neueröffnung aufmerksam geworden. Ein weiterer Grund für ihn, in der tollen Flößerstadt nun bald selbst fester Fuß zu fassen und seinen Lebensmittelpunkt von der Großstadt hinaus ins Grüne zu verlegen.

„Ein wunderschöner Garten, ein tolles Konzept, weg vom Mainstream“, findet auch Ruth Rick-Walther, die gleich mit einer ganzen Truppe zum Flößerwochenende in Lychen Urlaub macht. Sie hat die Bemühungen des Vereins „Wasser auf die Mühlen e.V“ aus der Ferne verfolgt. Gleich neben der Wiese, in dem Mühlengraben, werden später mal Kanuten anlegen können. Noch ist da Baustelle. Aber die Touristik-Marketing-Fachfrau aus Buheleite spinnt gleich einen Kreativfaden, was man alles gemeinsam mit den Lychenern an exklusiven Angeboten auf die Beine stellen könnte.

Wird die beliebte Moderatorin denn bei all den neuen Herausforderungen noch Zeit fürs Fernsehen haben? Das fragt ein Tross kaffeedurstiger Frauen. Klaro! Das habe sie doch als Freie trainiert, das Arbeiten nach ganz ungewöhnlichen Abläufen, sagt Carla Kniestedt. Und mit so einem engagierten Team im Rücken werde sie auch noch Zeit finden, auf Sendung zu gehen, verspricht sie.

Zum Team gehört Salka Mann, die vor acht Jahren schon mal versucht hat, die Idee von einem solchen Hofcafé umzusetzen, aber wegen des kleinen Kindes zu Hause dann doch hat passen müssen. Da ist Kerstin Vogt, die vor zweieinhalb Jahren nach Lychen gezogen und froh ist über diesen ganz besonderen Job, genauso wie Dana Sonnenbrot, die Frau mit Erfahrung aus der Hotelbranche. Und da ist Kerstin Michel, die viele aus einem Templiner Blumenladen kennen und die endlich ihre Backkünste ausleben darf. „Davon habe ich schon immer geträumt. Es ist eine tolle Chance für mich, hier im Nebenjob Torten und Kuchen backen zu dürfen. Mal sehen was daraus noch wird“, sagt sie. Übrigens: Kerstin Michel backt auch gluten- und milchfreie Kuchen. Und bei veganen ist sie bereits am Üben.